Montag, 28. Oktober 2013

Ins Handy vom Partner gucken.

 Ja oder nein?


Wie oft ich diesen Satz aus der Überschrift schon im Internet gelesen habe und nur mit dem Kopf schüttele, wenn ich mir die Kommentare zu dem Thema durchlese. Diese Threads gibt es tagtäglich wie Sand am Meer und jedes Mal folgt der gleiche Shitstorm. Gestern schon wieder und da überkam es mich diesen Eintrag hier zu schreiben, was ich über solche Menschen denke. Ich empfand es beim Durchlesen nämlich schockierend, dass so viele Leute extrem verwerflich reagieren, wenn man bei seinem Partner "heimlich" ins Handy schaut. Sofort schossen mir folgende Gedanken dazu durch dem Kopf:
Wie kann es sein, dass so ein Gerät so viel Macht über manche Beziehungen hat? Wie kommt es überhaupt dazu, dass man von seinem Partner verlangt, dass so ein dämliches Gerät "Privatsphäre" bleibt?

Besonders wütend werde ich beim Lesen dann, wenn damit argumentiert wird, dass man seinem Partner VERTRAUEN sollte und dieses Vertrauen damit beweist, wenn man NICHT im Handy des anderen schnüffelt. Diese Ansicht wirkt auf mich total widersprüchlich. Wie geht das denn, dass man da überhaupt "schnüffeln" kann? Schnüffeln bedeutet ja dann, dass er/sie seine/ihre Nase in etwas hinsteckt, was ihm/ihr nichts angeht. Mir ist bewusst, dass es auch krankhaft eifersüchtige Menschen gibt, wo solch ein Verhalten wirklich nerven kann, aber diese schließe ich jetzt mal aus. Ich meine hier nur diejenigen, wo eigentlich Eifersucht nicht so im Vordergrund steht, jedoch irgendwann dieses Misstrauen in der Partnerschaft auftritt, wenn der eine dem anderen die ganze Zeit etwas vorenthält, weil es ja "Privatsphäre" ist. Und da ist doch auch meist was im Busch, wo man berechtigt ist, mal nachzuschauen?

Meiner Meinung nach ist man nur dann erpicht auf diese sogenannte Privatsphäre vor dem Partner, wenn man demjenigen wirklich etwas zu verheimlichen hat, was der Beziehung schaden könnte. Also sprich, wenn der nicht checken soll, was ich mir gerade für Internetseiten anschaue oder mit wem ich über Whatsapp so schön schreibe. Und dann redet man sich ein, dass das Vertrauen nur dann da ist, wenn der Partner nicht "schnüffeln" kann und das so respektieren soll. Am besten soll der gar nicht erst nachfragen.
(Die Threads beweisen es dann auch jedes Mal, dass der Partner tatsächlich fremdgeht oder erste Schritte in die Richtung gegangen wurden, da der Partner Bestätigung suchte, die ihm in der Partnerschaft fehlte.. Kenne bis jetzt keinen Thread, wo es nicht der Fall war. Trotzdem gab es immer vorher diese Gehetze gegenüber dem Threadersteller - kurz: TE -, dass der/diejenige sich scheiße verhält ins Handy schauen zu wollen. Das sei ja ein Vertrauensbruch.)

In der Beziehung von meinem Freund und mir ist alles offen. Ich lasse ihn an meinem Leben teilhaben und er mich an seinem. In allen Dingen. Wir teilen uns ja schließlich auch die Wohnung und generell das Finanzielle. Warum sollten wir uns dann nicht auch bei solchen Kleinigkeiten vertrauen? Wie komisch das wäre, wenn er nicht mein Handy oder Laptop benutzen dürfte. Das wäre für mich der pure Stress ständig darauf achten zu müssen. So legen wir lieber die Karten offen auf den Tisch und reden über unsere Wünsche und Ängste. Selbst wenn das zu einem Konflikt führen sollte. Das muss dann halt mal ausdiskutiert werden. Wenn er mal kurz auf die Liste schaut mit wem ich da über Whats App schreibe, mein Gott, diese Neugierde ist doch total normal. Das zeigt doch, dass er Interesse an mir hat und wissen möchte, was in meinem Leben passiert. Das Gleiche Interesse habe ich auch bei ihm. Im Groben wissen wir immer mit welchen Menschen der jeweils andere so zutun hat und worüber geredet wird. Was dabei von Freunden privat bleiben soll, bleibt auch privat. Das respektieren wir.

Und tatsächlich funktioniert es bei uns. Wir fühlen uns NICHT vom anderen in irgendeiner absurden Art und Weise eingeschränkt. Ja, wirklich! Wir fühlen uns trotz der vielen Nähe frei und eigenständig. Wir haben auch nicht permanent das Gefühl den anderen kontrollieren zu müssen. Wir wissen, dass wir nachgucken KÖNNTEN. Das Gefühl reicht und schafft ein angenehmes Vertrauensverhältniss.


Und ich finde, dass es in einer gesunden Beziehung auch so sein sollte. Ja, nennt mich doch konservativ. (So wurde ich jedenfalls schon betitelt, worauf noch weitere Beleidigungen gegen mich folgten) Ich halte mich aber eher für tolerant und offen, wenn ich meinem Partner soweit Vertrauen kann, dass er in meine privaten Daten schaut und ich weiß, dass er keinen Blödsinn damit anstellt. Oder mich verurteilt. Dieses absolute Verweigern oder einen Aufstand machen wegen des Hineinschauens in den Nachrichten vom Handy und Laptop.. oh man. Das ist doch unnötig. Wenn man den Menschen an seiner Seite wirklich liebt, ist man demjenigen nicht böse und schon gar nicht ist man so pingelig und verbietet ihm die Benutzung.

Ich weiß, der Artikel hier ist nichts weltbewegendes. Trotzdem war ich einfach extrem verwundert, wie häufig dieses Thema auftaucht und wie weit die Wertvorstellungen bei dem Wort Vertrauen auseinandergehen.

Kommentare:

  1. Yippie!!!!! Ich fühle mich geehrt - und ich find's klasse, dass du diesen Eintrag veröffentlicht hast. Erst dachte, dass dieses Thema in die übliche Richtung dieses Thema's führen würde, aber ich find's umso besser überrascht worden zu sein und teile deine Meinung mit meiner Unterschrift unter diesen Artikel. :)

    Vertrauen ist eine wichtige Grundlage, aber ja - wenn sich jemand offensichtlich seltsam verhält - gibt's wie so oft mehrere (berechtigte) Wege damit umzugehen. Entweder auf in-flagranti-Erwischen hinarbeiten (Beweise sammeln, verschwiegenes Fehlverhalten aufzeigen), um diesen Bann der schlechten Laune / der Nicht-Klärung / der Zeitverschwendung beider Partner zu brechen oder halt genauso auf Distanz zu gehen, wenn scheinbar konkrete und wiederholt geäußerte Gesprächswünsche nicht erhört und nicht realisiert werden.
    Leute, die krampfhaft ihr Hab und Gut verstecken müssen, also krampfhaft "nich locker" mit dem Thema umgehen, haben entweder viel zu verstecken oder sind tatsächlich ENORM paranoid in Sachen Beziehungen geworden und haben evtl viel Negatives erlebt.

    Mit meiner Nina verstehe ich mich auch blind - kann alles mit ihr besprechen, ihr alles erzählen ohne Unverständnis zu ernten / fürchten zu müssen. Dazu besitzt sie noch einige Zugangsdaten von Profilen meiner Einer, sodass wir uns ein daWanda-Konto teilen können oder sie meinetwegen auch notfalls in mein Facebook reinschauen kann, wenn sie die Berechtigungen zur Profileinsicht von bestimmten Leuten nicht hat, die ich ihr gerne zeigen oder sie gerne angucken würde. Das geht alles in einem vertrauenswürdigen, angenehmen schönen Rahmen und stellt kein zwanghaftes Verhalten dar. Wir verlangen das nicht voneinander - wir teilen es einfach nur. :)

    Also Daumen hoch für euer Beziehungshandling und bitte weiter so! :)

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    1. Vielen lieben Dank, dass du dir den Text tatsächlich angeschaut hast :) Hatte schon Angst, dass ich das hier jetzt veröffentliche und mal wieder kein Feedback kommt arrr Das deprimiert mich immer voll, aber wer hat schon Lust so viel auf einem Blog zu lesen, ne? Aber schön, dass du das Thema auch interessant findest und es so siehst wie ich. Dachtest du etwa anfangs tatsächlich, ich wäre auch eine von der Sorte, die das verwerflich findet ins Handy zuschauen? xD Mensch, mensch.. Jedoch finde ich es toll und beruhigend zu lesen, dass du und deine Nina euch auch so gut versteht und in der Hinsicht ebenfalls offen seid. Falls irgendwann Hasskommentare hier unten auftauchen sollten, habe ich wenigstens dein Kommentar als Unterstützung :P

      Und was deine zusätzlichen Argumente angeht: Ich sehe das natürlich genauso wie du ^^ Wünsche mir für dich und Nina, dass auch alles beim Alten und ihr euch treu bleibt ^^ Liebe Grüße

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  2. Ich finde deine Meinung erfrischend anders. Ich selbst habe kein Problem damit, wenn mein Partner mein Handy in der Hand hat. Er kann es auch gerne benutzen. Jedoch werde ich stinkig, wenn ich merke das er bewusst nach irgendwelchen (nicht vorhandenen) Beweisen sucht.

    Ich finde nicht das "kontrollieren" schlimm sondern das Misstrauen. Ein heimliches hinterher spionieren würde mich verletzen, schließlich könnte er mit mir auch offen darüber reden. Genauso offen ist auch dann mein Handy.

    Also im Prinzip habe ich nichts, gegen das lesen meiner Nachrichten, solange es nicht heimlich ist.

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Hallo ♥

Ich würde mich riesig freuen, wenn du mir ein Kommentar hinterlässt.

Bitte frage mich nicht nach "Gegenseitiges Verfolgen". Ich will meine Bloggerleseliste nicht überstrapazieren und nur Blogs adden, die mich zu neuen Dingen inspirieren. Vielleicht ist dein Blog dabei, denn ich schaue bei jedem Kommentar auch den Blog desjenigen an. Aber zwanghaftes Verfolgen finde ich nicht schön und auch nicht sehr sinnvoll :)