Donnerstag, 20. November 2014

Studium, Leben, Veränderungen

"Wie kommt man eigentlich von Mediendesign auf Jura?" wurde ich letzte Woche bei meinem Vorstellungsgespräch in der Kanzlei gefragt. Diese Frage wurde mir schon ziemlich oft in den letzten 2 Jahren gestellt. Tja, wie kam es dazu? Ich habe damals recht gerne gezeichnet, weswegen alle auf mich einredeten, dass ich nach dem Abitur irgendetwas mit Kunst machen sollte und das tat ich dann auch. Doch wenn man plötzlich etwas die ganze Zeit machen MUSS, was man sonst immer nur dann tat, um seelisch zu entspannen, und dabei auch noch auf Schärfste kritisiert wird... ja.. dann macht es irgendwann doch nicht mehr so viel Spaß. Und wenn man dann die abgeschlossene Ausbildung in der Tasche hat, von Agentur zu Agentur rennt und gesagt bekommt "Ja, wir stellen nur Leute mit 3 Jahre Berufserfahrung ein" und man dadurch erst gar nicht die Chance bekommt diese tolle Berufserfahrung zu sammeln, dann fängt man umzudenken. Sich umzuorientieren. Und irgendwann, nach mehreren Niederschlägen, will man mit der ganzen Kunstsache nichts mehr am Hut haben.

Ich bin wohl nicht der Mensch dafür. Ich will ja auch ein strukturiertes Leben. Ein Leben, was andere vielleicht total langweilig finden. Ich will ein sicheres Leben. Einen normalen Alltag. Um diesen bestreiten zu können, wollte ich zudem etwas erlernen, was mich jederzeit im Leben auch so weiter bringen könnte...

Ich dachte lange darüber nach. Und war sehr lange deswegen verzweifelt. Doch dann plötzlich, durch meinen Freund, kam ich auf etwas, woran ich mich vor ihm niemals herangetraut hätte: Auf die Rechtswissenschaft. 




Ich bereue es heute kein Stück, dass ich diesen Weg gewählt habe, denn ich habe im Laufe des Studiums immer mehr Gefallen an Jura gefunden. ^^ Und ich lasse mich davon auch nicht mehr abbringen, egal wie negativ manche Leute diesen Studiengang und dessen Berufschancen herunterreden.

Bevor ich abschweife und jetzt die ganzen letzten zwei Jahre hier herunterrassel, erzähle ich euch von den jüngsten Ereignissen. Ich habe endlich die große Zitterpartie überstanden und die Zwischenprüfung bestanden. Die zweite tolle Neuigkeit erfolgte kurz darauf: Auch die Horrorhausarbeit in Strafrecht habe ich bestanden und kann mich sogar zum oberen Drittel der Statistik der Bestandenen zählen. Ihr wisst gar nicht, wie gut das meiner Seele tat. Die ganzen Bemühungen der letzten Wochen und Monate haben sich tatsächlich ausgezahlt! Wie oft es mir beschissenen ging und ich Panik bekam, dass ich vielleicht Jura an den Nagel hängen müsste.

Bisher ist ja alles gut ausgegangen. Natürlich darf ich mich nicht auf die Lorbeeren ausruhen und muss jetzt richtig loslegen! Doch genau jetzt stellt sich mir eine weitere Hürde in den Weg. Meine Eltern stellen gerade ihr Leben komplett um, ziehen nach Frankfurt am Main und können mich daher finanziell nicht mehr großartig unterstützen. Das ist okay für mich, denn sie haben mir lang genug unter die Arme gegriffen. Doch war nun mein großes Problem, wie ich an einen Job herankomme, mit dem ich Miete/Strom/Internet und Krankenkasse bezahlen und vielleicht sogar nützliche Berufserfahrung sammeln kann. 





Um an solch einen Job zu kommen, ging ich also Anfang des Monats zu dieser Jobmesse hin, welche meine Universität organisiert hatte. Resultat war, dass es dort einfach total beschissen war. Ja, sorry wegen meiner Ausdrucksweise, aber ich war echt angepisst gewesen.

Es waren dort so einige Stände von verschiedenen Firmen aufgebaut, denen ich einen Besuch abstattete. Erst einmal hielten die Leute dort, die die Firma des jeweiligen Stands vertraten, es nicht für nötig einem irgendwie Beachtung zu schenken und schnatterten herzlich untereinander vor sich hin. Nachdem ich stur dort stehen blieb, mehrmals mich räusperte und höflich um Aufmerksamkeit bat, bekam ich diese auch + abfälligem Blick. Das fing ja schon mal gut an. Ich erzählte ihnen also, dass ich auf der Suche nach einem Praktikum sowie nach einem Studentenjob sei und fragte, wonach die (jeweilige) Firma denn speziell suchte. Ich bekam als Antwort nur, dass sie an Jurastudenten nicht so interessiert seien und wenn, ich alle Informationen auf ihrer Website finden würde.

Wow. Wie informativ. Auf der Website nachschauen. Darauf wäre ich im Leben nie gekommen. Nie.
     
Jedenfalls war es dort für'n Arsch gewesen und ich bin genauso "schlau" gegangen, wie ich gekommen war. Es gab auch noch Stände, wo die einzige Voraussetzung ein Führerschein gewesen wäre und man Autos von A nach B transportieren sollte. Tja, die Voraussetzung kann ich leider auch nicht erfüllen, denn ich habe keinen Führerschein. Der krönende Abschluss war dann auf dem Weg zum Bahnhof nach Hause, wo ich an einer Gruppe "cooler" Studenten vorbeischlenderte, die ganz laut hinter mir herriefen, dass ich ne blonde Tusse sei. Die Erkenntnis des Tages. Keine Ahnung, warum sie mir diese schenkten, aber meine Laune war damit komplett im Keller.

Zuhause raffte ich mich dennoch auf, suchte verschiedene Kanzleien heraus und schrieb Bewerbungen. Ich wartete ein paar Tage auf Rückmeldungen, doch es kamen keine. Dann fand ich die Seite RAK Berlin, wo ich ein Stellengesuch aufgeben konnte. Nachdem dieser genehmigt wurde, bekam ich auch schon prompt einen Anruf von einer sehr netten Anwaltskanzlei, die ihren Sitz in der Nähe vom Zoologischen Garten - und somit ganz in meiner Nähe - hat. Diese wird von einem sehr sympathischen Anwaltspärchen geführt, welche mir sofort ihr Vertrauen schenkten und mir einen Studentenjob gaben. Zwischendurch trudelten dann doch noch Bestätigungen meiner anderen Bewerbungen ein, aber ich hatte mich bereits entschieden. Es freute mich jedoch zu sehen, dass, wenn man etwas will, es auch bekommen kann. Montag war dann schon mein erster Arbeitstag gewesen. Dieser war zwar schön, aber dennoch sehr ernüchternd, denn ich habe an dem Tag gemerkt, wie wenig ich tatsächlich drauf habe und wie viel ich noch lernen muss.

Ich denke jedoch, dass das ein großer und wichtiger Schritt für meine berufliche Zukunft ist und ich - trotz "größerer Belastung" für mein Studium - damit nur gewinnen kann.


Im Leben steht man vor der Wahl: Entweder man wählt den leichten Weg oder den Richtigen.

Kommentare:

  1. Oh, da wünsche ich dir ganz viel Spaß im neuen Job. :) Schön, dass du nach dem ernüchternden Weg dahin etwas gefunden hast.

    Gefiel dir "Life is a Lemon and I want my money back"? Danke für das Lob zu meinem Bild, das freut mich sehr.

    LG
    Aillbe

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  2. Antworten
    1. Danke! Ich freue mich, dass du mir das schreibst! :)

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  3. Klasse Post, ich freue mich sehr für dich. ;-)
    Danke, auch für deine super lieben Kommis. Liebe Grüße Nessa

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  4. Glückwunsch, liebes Miau! Freut mich, dass bei dir momentan alles so gut läuft :)
    Das, was du am Anfang beschrieben hast, kenne ich nur zu gut. Ich bin Musikerin mit Leib und Seele und liebe es, Klavier zu spielen. Ich mache zwar jetzt schon auch etwas mit Musik, habe mich aber bewusst gegen die Musikhochschule entschieden. Es war zu erwarten, dass ich durch den Druck und den Stress den Spaß daran verlieren würde, und das wollte ich auf gar keinen Fall riskieren. Ich kannte das schon von anderen Situationen. Da probte ich wochen-, ja monatelang auf ein Konzert, konnte aber danach dann auch viele Tage lang kein Klavier mehr sehen, geschweige denn mich irgendwie mit Musik auseinandersetzen. Ich habe dann wieder angefangen, wenn ich Lust darauf hatte. So etwas wäre an der Musikhochschule undenkbar gewesen, daher bereue ich es nicht, mich dagegen entschieden zu haben. Es ist auch immer toll, einen geregelten Alltag mit gesichertem Einkommen zu haben, um überhaupt erst Zeit für seine Hobbies zu haben.

    Den Umzug habe ich schon hinter mir, wobei ich echt nicht viele Sachen mit her genommen habe. Ich weiß nämlich noch nicht, wie lange ich in dieser Wohnung hier sein werde, aber das ist okay. Es kommt meinem Plan, meinen Besitz zu reduzieren, sehr entgegen, dass ich jetzt mal sehen kann, mit wie wenig ich tatsächlich auskomme :)

    Viele liebe Grüße

    Jacy

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